Gibt es einen sinnvollen Plural von „Fokus“? - kajabredemeyer.de
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Gibt es einen sinnvollen Plural von „Fokus“?

Meinen früheren Joballtag in der Corporate World konnte ich damals sehr gut mit einem Bild aus dem Zirkus beschreiben. Der ein oder andere kennt diese Szene vielleicht noch. Ein Tisch mit hohen Stangen stand mitten in der Manege und der Künstler begann den ersten drehenden Teller auf einer Stange zu platzieren. Mit in den Nacken geworfenem Kopf bewegte er die Stange in kleinen kreisenden Bewegungen und der Teller tanzte obenauf. So brachte er einen sich drehenden Teller nach dem anderen auf jeweils eine Stange. Immer mehr Teller drehten sich, der Künstler bewegte sich immer schneller an dem Tisch entlang, um zum einen weitere Teller ins Spiel zu bringen und zum anderen die bereits auf Stäben drehenden Teller in Bewegung zu halten. Sobald ein Teller herunterfiel, war die Nummer zu Ende. Zu Anfang waren die Zuschauer noch ganz ruhig und amüsierten sich, aber je mehr Teller sich drehten, desto lebhafter wurde das Publikum. Sie feuerten den Künstler an, möglichst immer mehr Teller gleichzeitig in Bewegung zu halten, denn das machte ja den Nervenkitzel aus.

Dass diese Vorstellung nicht endlos gesteigert werden konnte, war natürlich klar. Und während man dem Künstler zu Beginn noch die Freude an seinem Talent anmerken konnte, so spürte man doch gegen Ende, dass er zwangsläufig gegenüber der Anzahl der Teller erschöpft kapitulieren musste.

Das war das Bild von meinem Job als Sales Director. Mir hat es immer unglaublich viel Freude bereitet, ganz viele Teller – unterschiedliche Aufgaben – ins Spiel zu bringen, sie alle gleichzeitig am Tanzen zu halten. Die Freude an Herausforderungen, daran neue Aufgaben zu lösen, war meine Energiequelle. Auf Dauer raubten mir allerdings all die Parallel-Aufgaben mehr Energie, als ich selber aufbringen konnte. Die Teller drohten mir um die Ohren zu fliegen.

Für mich gab es nach reiflicher Innenschau letztendlich zwei Lösungen: Zum einen nahm ich ganz bewusst Teller vom Stab herunter und stellte sie daneben. Ich beendete bewusst Aufgaben mitten im Prozess, um sie zu einem passenden Zeitpunkt wieder aufzunehmen. Oder ich übergab die Teller an meine Mitarbeiter, die sie weiterdrehten, natürlich in Absprache mit ihrem eigenen Tellervolumen.

Dass während meines persönlichen Lernprozesses einige Teller zu Bruch gingen, ist sicher selbstredend. Aber keine der Scherben war umsonst. Mein Bild heute: bewusst die Teller anschauen, die unbedingt gedreht werden müssen, andere bewusst beiseite stellen oder um Unterstützung bitten. Ich freue mich, berichten zu können, dass mein Porzellan-Service nach wie vor vollzählig ist!